Brandenburgs gute Grundlage

Ulf Preuß-Lausitz, einer der besten Kenner von Integration und Inklusion in Deutschland, hat Brandenburgs Status quo der Inklusion untersucht. Eine beeindruckende Studie – mit einem erfreulichen Ergebnis: Anders als andere Länder hat Brandenburg bereits seit 1991 einen grundsätzlich integrativen Ansatz im
Schulwesen, auf dem sich auch eine Inklusionspolitik gut aufbauen lasse.

Preuß-Lausitz, Professor emeritus der TU Berlin für Integrationspädagogik, weist dennoch auf viele Herausforderungen in Brandenburg hin. Das zeigt sich besonders beim Blick auf die Inklusionsbedingungen in den Landkreisen, die lange nicht auf die Zahl von 14% inkludierter Schüler kommen. Aber wo gibt es das schon: Eine auf Kreise und Städte herunter gebrochene Inklusionsbilanz.

Einige zentrale Erkenntnisse der Studie sollen als Diskussionsanreiz für die Inklusionswerkstatt ab Freitag hier zitiert werden:

1) „Fast drei Viertel aller FörderschülerInnen sind den drei – sich stark überschneidenden – Förderschwerpunkten Lernen, emotionale und soziale Entwicklung und Sprache zugeordnet.“ (S. 19)

2) „In Brandenburg werden jährlich gerade mal 2,8% der FörderschülerInnen in das allgemeine Schulwesen zurückgeführt, dagegen jährlich 13,5% neu in Förderschulen aufgenommen.“ (S. 21)

Die Studie als Ganzes.

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„Wir sind alle verschieden verschieden“

Aus der Praxis für die Praxis

Es ist ein weiter Weg bis zu einer inklusiven Gesellschaft, in der die besonderen und die normal besonderen Menschen wirklich zusammen leben. Dieses Buch zeigt Etappen für die Reise

VON SYLVA BRIT JÜRGENSEN

Wer sich dieser Tage mit dem Begriff der Inklusion befasst, landet in einer Spaltung. Die einen haben keine Ahnung, was das eigentlich bedeuten soll. Die anderen wissen es so genau, dass schnell Streit über winzige Details ausbricht. Dieses Buch zeigt den Weg auf den vermeintlich weißen Fleck auf der Landkarte – der in Wahrheit schon ziemlich gut profiliert ist.

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Kinder beschulen

Erst in diesen Tagen läuft eine Erklärung des Landesschulbeirats in Hamburg zum Thema Inklusion durch die Medien. Das ist ein zweiseitiges Papier aus dem Dezember 2011, in dem viel richtige und wichtige Sachen drin stehen, siehe Landesschulbeirat Hamburg. Aber dann kommt da ein Satz, der einen irgendwie unangenehmen Sound hat:

Der Landesschulbeirat empfiehlt, die vollständige gemeinsame Beschulung behinderter und nicht behinderter Schülerinnen und Schüler konkret als Ziel der Hamburger Schulpolitik zu benennen.

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Kassensturz – Klamme Kommunen bremsen Inklusion

Der Geschäftsführer des kommunalen Spitzenverbandes Brandenburgs Karl-Ludwig Böttcher und der Präsident des Städte- und Gemeindebundes Werner Große haben am Mittwoch in Potsdam die Landesregierung angemahnt, den Kommunen des ostdeutschen Flächenlandes bei der Umsetzung der Inklusion finanziell stärker unter die Arme zu greifen. Man rechne mit Gesamtkosten im dreistelligen Millionenbereich. LINK__

Barrieren im Kopf

Deutschland geht ins Jahr der Inklusion – zu zögerlich tun es vor allem die Schulbehörden. Das kritisiert der Vorstand der „Aktion Mensch“, Martin Georgi

INC.ALLE: 2012 soll das Jahr der Inklusion werden, Herr Georgi. Auch die Aktion Mensch findet das Thema wichtig. Was ist Inklusion?

MARTIN GEORGI: Inklusion drückt eigentlich etwas Selbstverständliches aus: dass Menschen mit Behinderung in allen Bereichen des Lebens von Anfang an dabei sind. Dass sie dazu gehören – egal, ob es sich um Schule, Arbeit oder Freizeit handelt. Mit dem Begriff der Inklusion kann in Deutschland kaum jemand etwas anfangen, während bezeichnenderweise jeder sofort die Worte exklusiv und Exklusion versteht.

Woran liegt das?

Viele Menschen haben im Kopf eine Barriere – und die ist viel wirksamer als die Einschränkung, die Menschen mit Behinderung selbst haben. Viele Bürger begegnen im Alltag kaum Menschen mit Behinderung. Und wenn sie auf diese treffen, sehen sie nur ein vermeintliches Defizit, ein Sorgenkind. Weiterlesen

Verfasssungsbeschwerde gegen Bayerns Exklusionspolitik

Jetzt wird der Fall der beiden gehörlosen Ausgburger Mädchen Vanessa und Melissa spannend. Die Schulbehörden hatten sie aus der Regelschule ausgesperrt und in eine entfernt liegende Sonderschule verwiesen. Nun aber erheben die Eltern der Mädchen Beschwerde vor dem bayerischen Verfassungsgerichtshof. Und sie haben eine der besten Inklusionsanwältinnen, die es in Deutschland gibt: Martina Buchschuster. Die Frau ist Träger des Bundesverdienstordens, und was sie über die deutsche Schule sagt, ist nicht aus Plastik: „Im Schulrecht befinden wir uns im 19. Jahrhundert„. Das ändert die Sachlage in Augsburg. Bis vor kurzem bloggte die Republik, wie traurig der Fall der beiden Mädchen ist. Jetzt hat eine Anwältin und Mutter eines behinderten Kindes den Fall übernommen, die bereits einmal bis vors Bundesverfassungsgericht vorgedrungen ist.

Hamburg geht in die Details

Die tageszeitung berichtet in ihrer Nord-Ausgabe über die ersten konkreten Inklusionsschritte des Hamburger Bildungssenators Ties Rabe. Demnach werden ca. 60 Schulen in Hamburg Kinder mit Behinderung aufnehmen. Für jedes Kind soll es 7 zusätzliche Unterrichtsstunden (durch Lehrer?) geben. Differenziert wird in dem Konzept zwischen Kindern mit Behinderung und „LSE-Kindern“ mit Förderbedarf beim Lernen, Sprechen und in der emotionalen Entwicklung. Förderschulen werden zukünftig Bildungszentren heißen, wo zum Teil auch Unterrichtsbetrieb sein wird. Mich würde interessieren, ob diese Bildungszentren auch inklusive Schulen sein werden?